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Pressemeldung
"Pläne nicht einfach hinnehmen" Pressemeldung drucken
23.04.2004
Die Wahlen waren der am schnellsten abgehakte Tagesordnungspunkt bei der Jahreshauptversammlung der Kollmaraner CDU: Der Vorsitzende Hans-Hartwig Schmidt, sein Stellvertreter Jens Both sowie die Beisitzer Ernst-Hermann Greve und Paul Einbrodt wurden fast im Minutentakt einstimmig im Amt bestätigt.
Einen umfassenden Bericht zur Kommunalpolitik des Elbeortes lieferte der Fraktionsvorsitzende Ernst-Hermann Greve. An der finanziellen Lage Kollmars ließ er gleich zu Beginn keinen Zweifel. "Es gibt definitiv keinen freien Finanzspielraum mehr." Angesichts eines gerade noch ausgeglichenen Haushaltes müssten Investitionen auf das absolut Notwendige reduziert werden: "Schulden machen für uns nur aus wichtigen wirtschaftlichen Gesichtspunkten Sinn." Vorrang müsse die Förderung des Tourismus mit dem Erhalt des "Fährhaus Kollmar" als Gastronomiebetrieb und Ausflugsziel haben, betonte Greve. Der schlechte Zustand einiger Gemeindestraßen sei zwar ein echtes Ärgernis, könne aber zurzeit nicht großflächig in Angriff genommen werden: "Für Sanierungen und erst Recht für Schönheitsreparaturen fehlt einfach das Geld."

Den Besuch des CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Jörn Arp und der CDU-Kreistagsabgeordneten Marion Gaudlitz nutzten die Kollmaraner zu einer mehrstündigen lebhaften Diskussion, die kaum ein politisches Thema ausließ. In der Heimat des unlängst aufgespürten Schlammpeitzgersrückten allerdings immer wieder Umweltfragen in den Mittelpunkt. Für Bedenken sorgten dabei aber nicht nur der Urzeitfisch (Misgurnus fossilis) und das zu seinem Wohle geplante Schutzgebiet, sondern auch die Pläne für weitere Elbvertiefungen. Hafenverschlickungen und Deichschäden seien mit jeder neuen Vertiefung in immer stärkerem Maße zu beobachten, klagten die Elbe-Anrainer und sahen auch rasende Containerschiff-Kapitäne in der Verantwortung: Der gewaltige Wellenschlag der Ozeanriesen sei mittlerweile eine echte Gefahr für die Küstenlinie und ihre Badegäste.

Den generellen Sinn einer Elbvertiefung stellte Hans-Jörn Arp dennoch außer Frage. Der Hamburger Hafen sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den gesamten Norden - und nicht zuletzt Arbeitsplatz für 15000 Pendler aus Schleswig-Holstein, sagte Arp. Vor weiteren Elbe-Ausbaggerungen sah er aber auch weiteren Verhandlungsbedarf. "Es kann nicht sein, dass Hamburg profitiert und Schleswig-Holstein die Nachteile und Kosten allein tragen muss", sagte der Landtagsabgeordnete und forderte eine klare vertragliche Regelung des Lastenausgleichs.
Dazu, ergänzte Marion Gaudlitz, könnten eventuell auch die Orte an der Elbe einen Beitrag leisten. Genaue Aufzeichnungen zur Entwicklung von Schlick, Schlamm und Schäden seien ein wirksames Verhandlungsargument, um die oft bestrittenen Folgen der Fahrwasservertiefung ortskundig unter Beweis zu stellen.

Für die Existenz des Schlammpeitzgers in Kollmar ist dagegen keinerlei Beweis mehr erforderlich: Die als fast ausgestorben geltende Tiere wurden von Umweltschützern bei einer Bestandsaufnahme per Stromstoß in überraschend großer Zahl aus ihrem schlammigen Versteck getrieben. Das wiederum, stimmten Abgeordnete und Kollmaraner in der Diskussion überein, sei eigentlich auch ein Beweis, dass sich der Peitzger in seinen Gräben wohl fühle - und mithin keinen weiteren Schutz benötige. "Über die Frage, wie sich der Schlammpeitzger schützen lässt, kann im Rahmen der EU-Richtlinien durchaus verhandelt werden", sagte Hans-Jörn Arp und riet zu entschlossenem Widerstand gegen die rigorose Schutzgebietspolitik der Landesregierung: "Schreiben Sie Resolutionen, entwickeln Sie eigene Vorschläge - man muss diese Pläne nicht einfach hinnehmen."

 
Quelle: sh:z - Überregionales
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