Bei Problemen läuft Arp zu großer Form auf

16.01.2021

Genug geregelt: Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion kündigt Rückzug an

Jürgen Muhl
Kiel Politisches Beamtentum ist nicht sein Ding. Die Akten von links nach rechts legen und abwarten, was der nächste Tag bringt – nein, das ist nicht die Welt von Hans-Jörn Arp. Der aus Wacken stammende und in Hohenlockstedt (beides Kreis Steinburg) lebende CDU-Landespolitiker packt an, um Probleme zu lösen. Als „Strippenzieher“ der Jamaika-Koalition hat sich Arp einen Namen gemacht. Wenn es unter den drei Partner-Parteien knirscht, und das kommt häufiger vor, bittet Arp die Kontrahenten an einen Tisch - zumeist mit erfolgreichem Abschluss. Die Rolle als Vermittler liegt dem Politiker, der sich besonders gern für den Mittelstand einsetzt, in der Verkehrspolitik als Experte gilt und dem der Sport im Lande ans Herz gewachsen ist. Zuletzt hat er sich für eine finanzielle Unterstützung der Handball-Bundesligisten THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt eingesetzt, die auf Zuschauereinnahmen verzichten müssen und die im Vergleich zum Fußball nur Bruchteile an TV-Geldern erhalten.
Arp ist ein gern gesehener Gast, selbst beim politischen Gegner. Der 68-Jährige wird zur nächsten Landtagswahl im Mai 2022 nicht wieder antreten. „Dann bin ich 69 und nach Ende der Legislaturperiode 74 Jahre alt. Das könnte ein wenig zu viel sein,“ sagt der umtriebige Landespolitiker aus dem Wahlkreis Steinburg-West, der jedoch nicht von Ruhestand spricht. „Ich habe noch viel vor“, kündigt Arp an. Seine Nähe zur Wirtschaft im Lande könnte die Richtung weisen, sitzt er doch in mehreren Aufsichtsräten. Arp macht seine Entscheidung schon jetzt publik, „weil die Bewerber sich demnächst in Stellung bringen müssen“. In der Fraktion wird Arps Rückzug bedauert. „Die Zusammenarbeit mit Hans-Jörn Arp ist hervorragend, sowie fachlich als auch menschlich“, sagt Kai Pörksen, Pressesprecher der CDU im Landtag.

Ein enges Verhältnis zum Sport im Lande

Ständiger Gast im Kieler Holstein-Stadion und in den Hallen der Handball-Bundesligisten: Hans-Jörn Arp pflegt einen intensiven Kontakt zum Sport im Lande. So geht Arp beim Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel ein und aus, vor Corona diskutierte er mit Wolfgang Kubicki über den Spielausgang und mit Gerd Lütje, Citti-Firmengründer und bei Holstein der starke Mann im Hintergrund, über anstehende Projekte wie den geplanten Stadion-Ausbau. Arps Kontakte zur Glücksspiel-Branche bescheren den Proficlubs zusätzliche Marketing-Einnahmen. Er hat das Online-Glücksspiel aus der dunklen Ecke geholt und legalisiert, um die Finanzströme staatlich zu kontrollieren. Inzwischen ist der Glücksspielvertrag bundesweit in Kraft, Schleswig-Holstein war über Jahre in der Vorreiter-Funktion.
Arp kann auch geduldig sein. Das zeigt das Thema der Autobahn A 20, die den Osten mit dem Süd-Westen besser verbinden soll. „Ein mühsames Geschäft“, betont Arp und meint damit den Widerstand der Naturschutzverbände. Beharrlichkeit ist gefragt. Die auf den Weg gebrachte Fehmarnbelt-Querung sei ein Mut machender Schritt, meint der Verkehrspolitiker. Am Herzen liegt ihm weiterhin sein Geburtsort Wacken. „Dort werden meine Frau und ich in nächster Zeit ein Haus bauen.“ Einer von Arps Zukunftsplänen.